Agilität für alle?

Auf das Trend-Thema Agilität sind inzwischen etliche Unternehmen aufgesprungen. Manche berichten von Erfolgen, viele geben auch zu, dass ihre Erfahrungen eher ernüchternd sind. Was lässt deren Anstrengungen so gründlich scheitern?


Transformation oder Change

Meiner Erfahrung nach liegt das auch ein Stück weit daran, mit welchem Ansatz die Organisation Agilität einführt: Will sie eine Transformation oder „nur“ einen Change erreichen? Falls Sie meinen letzten Blog gelesen haben, kennen Sie schon die Unterscheidung, die ich hierzu mit einem meiner Kunden entwickelte: Transformation bezeichnet einen Wechsel des Systems, was eine tiefgreifende Veränderung im Denken und Verhalten bedeutet. Beim Change ist das Ziel, das bestehende System zu verbessern.

Die Firmen, die in den letzten Jahren Agilität eingeführt haben, in dem Bestreben, Dinge „nur“ zu verbessern, haben schmerzhaft erleben müssen, dass agile Methoden nicht einfach nur ein weiteres Set an Allzweck-Management-Instrumenten sind. Es gibt Bereiche, zu denen Agilität von der Grundaufstellung her gut passt. Das sind in der Regel diejenigen, in denen es um einmalige, projektartige Entwicklungen geht, zum Beispiel Software- und Medien-Maßnahmen, Vertrieb oder Kundenkommunikation. Doch nicht alle Bereiche ticken so …


Wo Sie mit Agilität scheitern

Wo es zum Beispiel vorrangig um Produktion oder Logistik geht, erweist sich Agilität weit weniger häufig als sinnvolles Methoden-Set. Dort fehlt schlicht die nötige Anzahl, Unbekanntes entscheiden zu müssen. Häufige Meetings, ständiger Austausch in der Gruppe, wiederholtes Pseudo-Neupriorisieren der immergleichen prozessbedingten Aufgaben bremsen die Mitarbeiter aus. Und nur, um möglichst jedem vorzugaukeln, dass er etwas mitverantwortet, ist Agilität auch nicht unbedingt das allein selig machende Mittel.

Einige der Unternehmen, die Agilität mit einem Schlag für die ganze Organisation einführen wollten und sich die Finger dabei verbrannt haben, wollen deshalb heute nichts mehr von agilen Methoden wissen. Dabei könnten sie von einem differenzierten, individuellen Ansatz durchaus profitieren – wenn sie sich auf das Maß an Transformation einlassen, das zu ihrer Organisation passt. Doch oft hinterlässt das Scheitern verbrannte Erde, was die Methoden angeht.

Glücklicherweise ziehen nicht alle Firmen diese Konsequenz.


Mehr als ein Koffer

Viele erfahren, wie sie von von agilen Arbeitsweisen und der veränderten Denke dahinter profitierten: Dass es Bereiche gibt, in denen die Mitarbeiter endlich wieder gerne zur Arbeit kommen. Dass sie erheblich an Produktivität zulegen. Diese Unternehmen suchen Wege, diese Fortschritte zu erhalten, ohne gleich die ganze Organisation zwangsweise auf Agilität zu verpflichten. Sie machen sich daran, ihren Transformationsprozess so zu entwickeln, wie sie ihn brauchen und nicht so, wie er vorgestanzt aus der „Agilitäts-Maschine“ fällt. Transformation ist keine Kopie.

Wie viel Agilität einer Organisation an welchem Platz gut tut, lässt sich nur individuell vor Ort ermitteln. Ich kenne inzwischen genügend Beispiele, um sagen zu können, dass die Erfolgsmethoden, das Vorgehen und das Veränderungstempo für eine erfolgreiche Unternehmenstransformation sehr unterschiedlich sind. Mit einem einzigen Methodenkoffer im Gepäck gelingt das selten, auch nicht mit dem agilen.

Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …

0 Ansichten

gebhardborck

Betriebswirtschaft mit Menschen

© 2017 - 2019

GB KOMMUNIKATION GMBH

Impressum | Datenschutz

Bayernstr. 31

75177 Pforzheim

direkt@gebhardborck.de

  • Facebook Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • xing-button
  • LinkedIn Social Icon
  • Google+ Social Icon
  • YouTube Social  Icon