Der Teufelskreis des kleinen Wehwehchens



„Dann ist der Kopierer aber weit weg!“ „An meinem möglicherweise neuen Platz kommt die Sonne von der anderen Seite.“

Zugegeben, solche Beschwerden vonMitarbeitern, lassen einen vielleicht mit den Augen rollen.. Eine Firma ist schließlich kein Kindergarten und es gibt weitaus wichtigere Themen auf der Agenda als den Einstrahlwinkel der Sonne! Mag sein, aber …

Nicht mal ´ne Heizung!

Die Alois Heiler GmbH plant gerade einen Umzug. Wir legen Büros zusammen. Umbaumaßnahmen berücksichtigen die Notwendigkeiten wie die Vorstellungen der Belegschaft. Da die Mitarbeiter inzwischen genug Selbstvertrauen haben, ihre Meinung zu äußern, kommen sie auch mit solch kleinen Anliegen. Und: Sie bekommen Aufmerksamkeit. Warum? Ganz einfach: Stellen Sie sich vor, der verärgerte Mitarbeiter erzählt dem Kollegen von den neuen, unzumutbaren Umständen. Auch wenn der sein neues Büro vielleicht gut findet, wird es ihm madig geredet. Überlegt er lang genug, findet er schließlich ebenfalls etwas, das ihn stört. Vielleicht reagiert die Heizung langsamer als bisher. Zwei, drei weitere Kollegen schließen sich an. Am Ende geht es um den Flügelschlag des Schmetterlings in China!

Ich weiß es, Sie wissen es, sogar der Mitarbeiter weiß es: Im Unternehmenskontext gehört die Aufmerksamkeit eigentlich ganz anderen Themen. Trotzdem will und brauchen Menschen Aufmerksamkeit – egal, um welche Belange es geht. Und die sollten Sie ihnen geben.

Kein Wunschkonzert

Das heißt keinesfalls, dass Sie jeden Wunsch blind erfüllen müssen. Auch Stephan und ich sagen regelmäßig „Da müssen wir durch!“. Die Themen bekommen dennoch Aufmerksamkeit. Manchmal von einem Kollegen. Denn wer weiß, vielleicht hat der unzufriedene Kollege einen triftigen Grund. Etwa ein Augenleiden, das ihn mit der verschobenen Lichtquelle beeinträchtigt, er möchte das Thema aber nicht vor der ganzen Mannschaft breittreten. Wenn es tatsächlich einen belastbaren Einwand gibt, dann werfen wir das Konzept zu recht über den Haufen. Die Suche nach Alternativen richtet sich dann zuerst einmal an den Kollegen. Denn wenn jeder für eine gemeinsame Entscheidung Kompromisse eingeht, einer sich allerdings weigert, dann muss dieser natürlich auch einen Alternativvorschlag liefern. Eine abschließende Entscheidung bezieht wieder alle Betroffenen mit ein.

Die Balance finden

Ich möchte Ihnen ein Beispiel aus meinem Katalysatoralltag von einem anderen Kunden erzählen: Ein Angestellter, der zu der Zeit sehr wichtig für das Unternehmen war, forderte ein immens hohes Gehalt. Klar, er war ja in der entsprechenden günstigen Position. Käme das Unternehmen der Forderung nach, würde das gesamte Gehaltssystem aus den Fugen geraten. Der Geschäftsführer kam mit der Situation einigermaßen ratlos zu mir. Sollte er der „Erpressung“ nachgeben? Wenn nicht, was dann?

Ich riet dem Unternehmer, dem Thema seine Aufmerksamkeit zu schenken. Er kann ja ehrlich zuzugeben, dass er die Folgen für die Firma nur schwer abschätzen konnte. Dazu kam noch ein Deal: Wenn der Mitarbeiter ein System entwickelt, das die gesamte Belegschaft fair findet, bekommt er seinen Gehaltswunsch als Bestandteil davon erfüllt.

Der Chef ging darauf ein und gab die Aufgabe weiter. Der Kollege ging darauf ein, fand allerdings keine Antwort, die sein Wunschgehalt rechtfertigte. Jetzt wusste er durch eigenes Nachdenken, warum die Firma seinen Vorstellungen nicht nachgeben konnte. Der Chef hat sich die Zeit genommen, ihr Aufmerksamkeit geschenkt und seine Situation erklärt. Allein dadurch ist die Situation eine ganz andere, viel positivere geworden.

Was wäre passiert, wenn der Gehaltswunsch einfach abgebügelt worden wäre? Und was, wenn genau diese Führungskraft sich vor einem Jahr schon über die neue Lage des Druckers beschwerte gehabt hätte – ohne dafür Aufmerksamkeit zu bekommen? „Damals beim Umzug habt ihr mir schon eine reingewürgt, als ihr den Drucker rausgestellt habt und jetzt bekomme ich nicht mal eine Gehaltserhöhung, obwohl ich seit Jahren für die Firma buckle …“ Na, Sie merken, worauf ich hinaus will.

Zeit für Aufmerksamkeit

Ja, Aufmerksamkeit kostet Zeit. Zeit, die Sie solchen Lapalien vielleicht nicht geben wollen. Aber das hat Folgen. Leider oft erst viel später. Bei der Alois Heiler GmbH sehen wir auch erst jetzt, mit einem Zeitversatz von zwei bis drei Jahren, die Ergebnisse unserer Arbeit und damit wieder neue Lösungen. Aber eines dürfen Sie mir glauben: Rache ist eine Speise, die auch ihre Mitarbeiter gerne kalt genießen. Zwei Jahre sind da kein Problem. Kommt der passende Zeitpunkt, wirft er Ihnen all die Dinge vor, die ihm schon lange stinken – und denen Sie zu ihrer Zeit keine Aufmerksamkeit schenkten.

Vielleicht schauen Sie doch auch mal auf kleine Wehwehchen ehe Sie ihnen später vor die Füße fallen …?

Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …

Gebhard Borck

#Mitarbeiter #Balance #Führungsstil #Aufmerksamkeit

60 Ansichten

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