Hierarchie in der Krise: Stell dir vor, es ist Krieg und keiner …

„Wie soll Hierarchielosigkeit bei einem existenziellen Angriff funktionieren?“, schrieb mir ein Leser unseres Buches Chef sein? Lieber was bewegen!. Sinngemäß zumindest, denn die Mail war sehr ausführlich. Er teilte mir seine Überzeugung mit, dass ein Unternehmen nur in „Friedenszeiten“ frei von formalen Hierarchien wie die Alois Heiler GmbH funktionieren kann. Im „Krieg“ hingegen, brauche es eine feste Führung, mit klaren Befehlen.

Viele Unternehmer empfinden die Wirtschaft wie ein Krisengebiet. Ja ganze Industriezweige scheinen sich – wenn wir das Bild des Lesers übernehmen – im Krieg zu befinden. Etwa die Pharmazie oder große Teile der IT-Branche. Industriespionage,Verdrängungskämpfe oder War for Talents sind hier nur die bekanntesten der virulenten Stichworte.

Doch können Krisen wirklich nur durch formalhierarchische Strukturen im Unternehmen bewältigt werden?


Ohne formale Hierarchien fliegen Sie der Krise im Schwarm davon


Führung oder Macht?

Ich sage ganz klar: Nein! Im Gegenteil: Ein Krise als Ausnahmesituation zu betrachten, in dem nur ein System formaler Führung weiterhelfen kann, ist ein Trugschluss. Denn hier geht es dann um Macht anstelle von Vernunft. Es geht um das Schaffen von Tatsachen anstatt von sinnvoll gelebten Prozessen.


Ich glaube, wenn Menschen eigenverantwortlich denken und handeln, kommt es (vielleicht) gar nicht zum Krieg. Weil die Menschen fähig und bereit dazu werden, viel bessere Lösungen zu finden.


Schon Thomas Morus entwarf in seiner „Utopia“ eine auf sinnhaften Gleichheitsgrundsätzen aufbauende Gesellschaft, mit demokratischen Grundprinzipien. Im heutigen Sinne: Eine Welt von Menschen, die verantwortlich handeln, die so mündig sind, dass sie formalen Hierarchien nicht zu folgen brauchen. Die daran interessiert sind, sich mit anderen Menschen auf Wege und gemeinsame Ziele zu einigen. Die handeln, wenn Sie sehen, dass etwas falsch läuft.


Transformation oder Krise?

Sie kennen vielleicht noch den Spruch: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ Der kann tatsächlich klappen, sobald Menschen zum selbstständigen Denken und Handeln berechtigt sind.

In einer formalen Hierarchie, sei es eine militärische oder auch eine unternehmerische, gilt folgender Grundsatz: Die Anweisung, die eine Führungskraft gibt, wird erst einmal ausgeführt, nur im Nachgang, darf man sie gegebenenfalls hinterfragen. Selbstständiges Denken geht anders. Das Ausführen, das (blinde) Handeln steht im Vordergrund.

Doch wir sollten uns nicht der formalen Hierarchie, sondern dem Sinn verschreiben. Es gibt Situationen, in denen die Mündigkeit auch behindern kann, wenn wenn die drei Faktoren Problem, Lösungsweg und Ergebnis bekannt sind. Dann ist es effizient, sich an bereits erarbeitete Lösungsvorgaben zu halten, die erwiesenermaßen funktionieren.

In Zeiten der Transformation im Unternehmen, in Zeiten der Krise ist Vielseitigkeit gefragt. Und so viel Intelligenz wie möglich, also das Mitwirken aller an neuen innovativen Lösungsmodellen. Da greifen die eingeschliffenen Prozessen zu kurz.


Deshalb liegt für mich in der Balance zwischen Individuum und Gesellschaft die Zukunft. Das Beispiel von Heiler zeigt, dass ein Unternehmen in Krisenzeiten mit hierarchielosen Strukturen anpassungsfähiger agiert. Hören wir auf, in der Wirtschaft gleich von Krieg zu sprechen, meistern wir auch anspruchsvolle Aufgaben mit Sinn und ohne Befehle von oben.


Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …

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