Warum Sie nur durch Loslassen fliegen

Aktualisiert: 8. Nov 2019

„Wo ist der richtige Weg in die Zukunft?“ – Das fragen sich heute immer mehr Unternehmer. Denn die Herausforderungen der Wirtschaftswelt sind derart komplex, dass kaum ein Mensch mehr allein den Überblick behält. Und so merken immer mehr Entscheider, dass sie durch das Mitdenken der Vielen zu besseren Lösungen kommen. So starten sie hoffnungsfroh Transformationsinitiativen, doch tauchen dann die ersten Hindernisse auf, kehren sie wieder auf alte Pfade zurück …


Im Hochseilgarten benötigen Sie Vertrauen


Wenn Gummibärchen keinen Erfolg bringen


Wenn Unternehmer und Führungskräfte wie bei der Alois Heiler GmbH von der Macht loslassen und Strukturen ohne formale Hierarchien etablieren, ist eines ihrer größten Probleme die Zeitverzögerung bei den neuen Entscheidungswegen. Warum? Nehmen Sie einmal das Beispiel Kundenunzufriedenheit. Sobald diese abnahm, grätschten die Führungskräfte in den klassisch-hierarchischen Strukturen sofort rein. Sie ordneten den Mitarbeitern an, eine Rabatt-Aktion zu starten, Geschenke zu machen wie beispielsweise jedem Paket Gummibärchen beizulegen. Bereits ein paar Tage später konnte die Führungskraft den Kunden anrufen: „Und, wie gefällt dir unser neues Angebot?“


Lautete die Antwort „Toll!“, klopfte sich die Führungskraft auf die Schulter: „Alles richtig gemacht!“ Und wenn es schlecht lief? Ich überspitze, dann waren die Mitarbeiter bei der Umsetzung schlecht: „Wissen die nicht, wie man Gummibärchen richtig beifügt …“


Entscheidungen brauchen Zeiten


Bei der Einführung der Methoden zur Betriebskatalyse gibt es eine Phase ohne direkte Rückmeldungen an die Führungskraft über ihre Wirksamkeit. Denn hier geht es für sie darum – wenn sie nicht schon Katalysator ist – zuerst einmal die Kundenunzufriedenheit den Mitarbeitern offenzulegen. Anschließend setzt sich der Prozess fort, indem die Belegschaft selbst Ideen entwickelt und daraus Maßnahmen anstößt. Durch das Prinzip der Weisheit der Vielen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Mitarbeiter zu besseren Lösungen kommen als ein alleinkämpfender Chef. Und da sich die Mitarbeiter mit dem Problem beschäftigen, kommen sie in Folge auch besser ins Handeln. Dieser Prozess der gemeinsamen Lösungsfindung dauert allerdings länger. Bis alles sauber vorbereitet ist, machmal einige Wochen. Und damit gibt es für die Führungskraft eine erste Zeitverzögerung. Aber da ist noch mehr.


Die Mitarbeiter kommen immer wieder auf Ideen, denen die Führungskraft zwar skeptisch gegenüber steht, die sie nun dennoch mittragen muss. Dadurch verliert sie die Rückmeldung ihrer direkten Wirksamkeit. Und da ist noch etwas. Jetzt, nach der gemeinsamen Entscheidung, müssen alle zusammen warten, bis die Erfolge oder Misserfolge sichtbar, überprüfbar werden. Diese doppelte Zeitverzögerung auszuhalten, fällt viele Chefs schwer – sie fallen zurück in ihre alten Muster. Dabei sind es genau diese Momente, die darüber entscheiden, ob Ihrem Unternehmen der Sprung in eine neue Arbeitswelt gelingt.


Loslassen wie im Hochseilgarten


Ich vergleiche diese Momente der Zeitverzögerung gerne mit dem Besuch in einem Hochseilgarten. Dort gibt es oft einen Parkour, in dem man sich in luftiger Höhe von Stange zu Stande voran hangelt. Zwischen den Stangen gibt es mal größere, mal kleinere Abstände. Bei einigen ist die Distanz so groß, dass Sie erst die eine Stange loslassen müssen, um die nächste greifen zu können. Sie nehmen Schwung und fliegen dann für den Bruchteil einer Sekunde frei bis zum nächsten Halt – in Ihrer neuen Welt.


Wie Sie im Hochseilgarten Ihr Leben einem Klettergeschirr anvertrauen, können Sie beim Sprung Ihres Unternehmens in die Zukunft auf die Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter vertrauen. Und ich gebe Ihnen gerne die Einweisung am Boden, um Katastrophen beim Klettern von vorne herein auszuschließen. Natürlich helfe ich auch, sollten Sie sich bereits verstiegen haben. Dabei ist mir klar, dass der Prozess, kollektives Mitdenken zu lernen, länger dauert als ein Besuch im Hochseilgarten.


Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …


Gebhard Borck


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