Nicht-Auffallen ist die neue Aufmerksamkeit


Als ich meinen Kunden bei einem Beratungstermin nach seinen Zielen fragte, legte er mir eine lange Liste vor. Bei genauem Hinsehen merkte ich, die meisten „Ziele“ waren To-dos, die nach Priorisierung suchten. Wir nahmen die To-dos unter die Lupe und entdeckten: Viele leiden an Verschieberitis – einer tief verwurzelten Krankheit unserer Gesellschaft. In jedem Unternehmen werden immer wieder Fertigstellungstermine verschoben und gleichzeitig neue erstellt. Es ist ein Teufelskreis, den Sie nur durchbrechen können, wenn Sie ihm eines schenken: Aufmerksamkeit.


Deadlines sähen Misstrauen in den Menschen

Ich bin der Überzeugung, dass wir für strukturelle und strategische Aufgaben überhaupt keine Fertigstellungsdaten mehr brauchen! Stattdessen helfen Aufmerksamkeitstermine: Zeitblöcke, in denen wir einer Aufgabe unsere ungeteilte Aufmerksamkeit geben.

Bestimmt können sich viele von Ihnen kaum vorstellen, dass Menschen Aufgaben erledigen, wenn sie keine Deadline dafür haben.Vielleicht kann ich Sie durch eine kleine Geschichte vom Gegenteil überzeugen:

Bei einem Neukunden ging es darum, dass seine funktional getrennten Teams alle sauber arbeiten können. Für die Abstimmung war ein zweistündiger Workshop angestezt. In etwas mehr als sechzig Minuten erarbeiteten wir sechs notwendige To-dos für die Lösung der Probleme. Und ich fragte, bis wann das Team diese erledigen könne. Ein Teilnehmer schlug eine Deadline in vier Wochen vor. Auf meine Nachfrage stellten sie fest, dass sie für alle Arbeiten effektiv circa dreißig Minuten an gemeinsamer Arbeitszeit bräuchten. Also motivierte ich die anfangs skeptische Truppe, unsere Besprechung vorzeitig zu beenden und die To-dos sofort anzugehen. Und Sie glauben nicht, wie happy danach alle waren: In Summe hatten sie einen Meetingtermin, aus dem sie ohne neue To-dos herausgingenUnd alle Aufgaben waren erledigt.

Anerkennung durch Verschieberitis

Ich werfe dem Team nicht vor, dass es in dem Moment zu faul war, die Aufgaben gleich abzuarbeiten. In meinen Augen gibt es im Gesamtsystem einen gravierenden Fehler: Der Irrglaube, dass der, der terminiert, wichtig ist und etwas zu sagen hat. Auch wenn nur darüber geredet wird, welche Aufgaben aus welchem Grund verschoben werden müssen. Dadurch wollen sich viele Anerkennung sichern. Fakt ist aber, dass genau dieses ständige Verschieben Stress verursacht. Deshalb bin ich für ein neues System, in dem die Aufmerksamkeit durch etwas anderes kommt: durch Nicht-Auffallen. So wie für die schwäbische Hausfrau ein sarkastisch schönes Kompliment ist „Mr merkt überhaupt ned, dass du do bisch.“: Die beste Hausfrau ist die, die erst auffällt, wenn sie fehlt. Wer alle Aufgaben erledigt, für keine Reklamationen sorgt und nicht lautstark diskutiert, der fällt nicht auf. Genau das, was viele heute befürchten, soll in Zukunft eine ganz andere Aufmerksamkeit bringen – und zwar langfristig steigende Erträge.

Zugegeben, das neue System ist um einiges langweiliger. Aber seien Sie doch mal ehrlich: Gehen Sie lieber nach Hause, wenn Sie wissen, dass Sie schon wieder zig To-dos aufgeschoben haben, oder wenn Sie alles erledigt haben?

Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …

Gebhard Borck

#Mitarbeiter #HeilerGlas #Entwicklung #Aufmerksamkeit

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