Warum neue Organisationsformen dem Klima am besten helfen

Auf dem Rückweg von einem Workshop in Hamburg habe ich im Zug ein Radioninterview mit Maja Göpel gehört. Sie ist eine Politikökonomin, die die Bundesregierung in Umweltfragen berät. Göpels Grundthese: Um den Klimawandel zu bremsen, müssen wir unser Wirtschaftssystem grundlegend ändern! Und mit dieser Forderung hat sie viele Partner im Denken – für die unterschiedlichsten Lebensbereiche …


Wie können wir den Klimawandel bremsen?

Wenn der Alltag ruft


Göpels Appell an „das System – den Staat“ finden Sie etwa auch bei den Gemeinwohl-Ökonomen, die sagen verkürzt: „Eine wirtschaftliche Maßnahme, die allen Menschen dient, soll vom Staat unterstützt werden.“ Wer das bedingungslose Grundeinkommen fordert, will das „unser System" allen Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Und in der Umweltfrage ist der lauteste Ruf – ob bei „Fridays for Future“ oder „Economists for Future“ – dass die Politik Gesetze erlässt, damit bei Unternehmen nicht mehr die Lohn-, sondern die Ressourcenoptimierung im Vordergrund steht.


Ich sympathisiere mit all diesen Forderungen! Ich finde es toll, dass Menschen dafür auf die Straße gehen. Womöglich nehmen sie sich sogar einen Tag Urlaub nehmen, um zu demonstrieren. Allerdings fragte ich mich auf der Zugfahrt zurück nach Pforzheim auch, wie sich die Forderungen der Demonstranten in ihrem Arbeitsalltag wiederfinden?


Was über die Systemkritik hinausgeht


In vielen Fällen heißt das wohl, dass diejenigen, die sich gestern noch in der Freizeit engagierten, sich in ihrer alltäglichen Praxis den Anweisungen ihrer Vorgesetzten unterordnen. Sie können ihre „privaten“ Überzeugungen kaum in das Unternehmen einbringen. Stattdessen tragen sie zu Produkten und Leistungen bei, die Ursache oder Teil der Probleme sind, gegen die sie tags zuvor demonstrierten. Verhaftet in den hierarchischen Strukturen, müssen die „Freizeit-Demonstranten“ ihre Eigeninitiative beim Betreten des Büros mit an der Pforte abgeben. Das zeigt, aus den Vorwürfen an „das System“ kann nur schwer ein wirklicher Wandel entstehen – oder anders gefragt: Erreichten wir die Klimaziele schneller, wenn die Menschen auch in der Arbeit ganzheitlich mitdenken müssten?


Ich bin überzeugt, die Probleme unserer Gesellschaft lassen sich nur dann lösen, wenn unsere Firmen so organisiert sind, dass sie dort – unabhängig von der Einstellung des Eigentümers – eine Rolle spielen können. Die Klima-Demonstrationen zeigen, dass wir Menschen mitdenken und mitentscheiden wollen! Das gelingt weit über die Firmengrenzen hinaus, wenn Sie ihnen – wie bei der Alois Heiler GmbH – durch hierarchiefreie Strukturen ermöglichen, auch in der Arbeit Verantwortung zu übernehmen.


DAX-Klasse vs. 20 Millionen Menschen


Sicherlich gelten auch für Unternehmen, die ihre Chefs abgeschafft haben, äußere Zwänge. Die verschwinden kaum von heute auf morgen, selbst wenn sie neue Organisationsformen zulassen. Es gibt keinen Schalter, der einen Automobilhersteller wie Daimler dazu bringt, zu erklären: „So, wir setzen uns ab jetzt gegen den Individualverkehr ein. Erster Schritt, wir schaffen uns selbst ab!“


Oder, vielleicht doch?


Zur Zeit treffen in Deutschland rund 300 CEO´s und Vorstände aus der DAX-Klasse die wirtschaftlichen Führungsentscheidungen. Organisieren wir die Firmen um, könnte bald, sagen wir mal, die Hälfte aller Arbeitnehmer, also rund 20 Millionen Menschen mitbestimmen. So kommen wir zu deutlich wirksamerem Lösungen. Denn, professionell umgesetzt, entscheidet die Weisheit der Vielen in aller Regel besser als die Hierarchie. Und zudem werden Mitarbeiter im Mitdenken ganz anders wirksam, weit über die Firmengrenzen hinaus.


Neuer Job bei der Bahn


Sobald Menschen selbst über die Konsequenzen ihres Tuns entscheiden, akzeptieren sie den dazugehörigen Preis. So könnten die mitbestimmenden Mitarbeiter bei Daimler ihren derzeitigen Arbeitsplatz mit der Reduktion des Individualverkehrs selbst weg beschließen. Sie würden allerdings auch sehen, dass es für sie gegebenenfalls genau deshalb etwas im öffentlichen Nahverkehr zu tun gibt.


Ich möchte Ihnen zeigen, dass wir gesamtgesellschaftliche Verbesserungen durch mehr erreichen können, als nur nach Systemänderungen in Politik und Wirtschaft zu rufen. Und die organisatorische Veränderung in den Betrieben hat gegenüber der Systemfrage gewiss einen Vorteil: Es gibt keine komplizierten Vorbedingungen, die zu erfüllen wären. Schon morgen können Sie Ihre Mitarbeiter zur Eigenverantwortung einladen – wirksame Gesetze für eine Systemänderung benötigen bis zur Umsetzung Jahre …


Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …


Gebhard Borck


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