Wenn alle gut schlafen, ist das Unternehmen gesund



„Meine Eltern? Die hatten keine schlaflosen Nächte wegen ihrer Firma. Die haben gut und fest geschlafen.“ So erinnern sich die Nachfolger von Unternehmensgründern. Gerade die Unternehmensübernahme ist ein häufiger Zeitpunkt, um Transformationen einzuleiten. Sie erzählen mir, ihre Eltern, ihre Großeltern, die das Unternehmen gründeten, waren beseelt. Sie wollten ein Geschäft ins Leben bringen. Das gab ihnen Sicherheit. Sie stellten Mitarbeiter an, für die sie fortan verantwortlich waren. Das gehörte einfach dazu. Es raubte nur wenigen den Schlaf.

Die Nachfolgegeneration sieht das heute oft anders. Sie verstehen, was das Unternehmen ausmacht. Sie wollen die Geschäftsidee weiterentwickeln. Aber häufig kommen sie zu den Mitarbeitern wie die Jungfrau zum Kinde. Auf der Perspektivreise höre ich dann nach dem Abendessen hin und wieder: „Weißt, manchmal denke ich. Oh Gott! Ich bin für meine Mitarbeiter und deren Familien verantwortlich! Dass die ihre Miete und Kredite bezahlt bekommen, dass jeden Tag Essen auf den Tisch kommt, dass sie in Urlaub fahren können …“

Auf der Reise rege ich sie außerdem dazu an, ständige Ist-Analysen ihrer Wirtschaftlichkeit zu machen. Dazu gehört auch der Ausblick, wie lange die Firma mit den aktuellen Aufträgen überlebt. Die meisten erkennen, dass dies nur wenige Tage, ein paar Wochen und bestenfalls einige Monate sind. Im Anschluss an diese Erkenntnis, kommt immer wieder das Eingeständnis des unruhigen Schlafs.


Andere Perspektiven für Ihr Unternehmen

Die Nachfolger fühlen sich mehr als nur für sich selbst verantwortlich. Sie sehen sich für alle verantwortlich. Das wird ihnen auch von vielen Seiten suggeriert. Da hören Sie beispielsweise vom Firmenanwalt: „Das ist normal, das muss sein! Das ist unternehmerische Verantwortung! Das ist Ihre Verantwortung …“

Ich verstehe, dass einem so der Schlaf abhanden kommt.

Es ist ein Teufelskreis. Eine Sackgasse. Raus geht es hier nur, wenn Unternehmer und Geschäftsführer umdenken. Auf unserer Reise zeigen wir, wie Verantwortung in Unternehmen anders funktioniert.


  • Erstens: Der Geschäftsführer kann gar nicht für die Mitarbeiter verantwortlich sein, denn die Mitarbeiter sind erwachsen und selbst verantwortlich.

  • Zweitens: Die Mitarbeiter können in ihrem Bereich des Unternehmens die Verantwortung selbst tragen.

  • Drittens: Die Mitarbeiter müssen Entscheidungen treffen dürfen.

  • Viertens: Die Mitarbeiter müssen wissen, wie es um das Unternehmen steht.


Mit diesen vier Punkten öffnet sich der Weg in eine ganz andere Unternehmenskultur. Denn die Mitarbeitenden erhalten den Raum, eigenverantwortlich Lösungen zu suchen und danach zu handeln.

Nun lastet nicht mehr alles auf den Schultern der Geschäftsführung. Die Verantwortung verteilt sich auf den Schultern vieler. Mit dem Ergebnis: Der Geschäftsführer kann wieder schlafen. Die Mitarbeiter aber auch.

Wenn beispielsweise in einem Maschinenbauunternehmen wegen der Weltmarktlage ein Umsatzrückgang bevorsteht, legt die Geschäftsführung dies offen. Dann kommen die Mitarbeiter selbst auf Ideen wie Kurzarbeit oder Überstundenabbau. Maßnahmen, die nötig sind, um mit dem Unternehmen durch die Krise zu kommen. Das Besondere: Die Maßnahmen werden nicht von oben bestimmt, sondern von unten beschlossen. Alle fühlen sich verantwortlich, alle ziehen an einem Strang – für alle, für das Unternehmen.


Jeder trägt nur ein kleines Päckchen

Natürlich könnte man einwenden: Warum sollten Mitarbeiter unternehmerische Verantwortung übernehmen, um die Geschäftsführer zu entlasten? Immerhin erhält die Geschäftsführung ja auch die hohen Gehälter.

Nun, tatsächlich trägt in einer solchen Unternehmenskultur jeder der Mitarbeiter nur ein kleines Päckchen. Die Geschäftsführung ist auch ohne diese Verantwortung meist deutlich stärker von der Firma gefordert, als die Belegschaft. Sei es mit Bezug auf Überstunden, Urlaubsunterbrechungen, Bankgespräche und dergleichen mehr. Insofern ist ein höheres Gehalt auch berechtigt. Die Mitarbeitenden werden auch nicht zum Einzelunternehmer gemacht. Dann erginge es ihnen wahrscheinlich genauso wie den Nachfolgern. Vielmehr werden sie zu einem Unternehmer in einem kleinen Teil des Betriebs.

Außerdem profitieren auch die Mitarbeiter von ihrer neu gewonnenen Verantwortung: Sie bestimmen das Ganze mit, anstatt vom Ganzen bestimmt zu werden. Auf diese Weise werden die Päckchen so klein, dass alle ruhig schlafen.

Guter Schlaf ist sicherlich ein Indikator für ein gesundes Unternehmen. Wenn alle gut schlafen, ist das Unternehmen auf einem guten Weg.


Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …


Gebhard Borck


Ihnen gefällt dieser Beitrag? Dann melden Sie sich für unsere News an und erhalten Sie regelmäßig frische Informationen rund um die Betriebswirtschaft mit Menschen.

Sie wollen für sich herausfinden, ob der Weg zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passt? Dann prüfen Sie eine Teilnahme an meinem Angebot der Perspektivreise oder des Aktivisten-Camps.

0 Ansichten

gebhardborck

Betriebswirtschaft mit Menschen

© 2017 - 2019

GB KOMMUNIKATION GMBH

Impressum | Datenschutz

Bayernstr. 31

75177 Pforzheim

direkt@gebhardborck.de

  • Facebook Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • xing-button
  • LinkedIn Social Icon
  • Google+ Social Icon
  • YouTube Social  Icon