Was bringt Planung? Plan rein, Hirn raus!

Das Ärgerliche: Planung funktioniert! Allzu oft erreichen Firmen, Teams und Mitarbeiter ihre Planziele. Gerade angekommen, stellen sie fest: »Wir finden uns in einer anderen Wirklichkeit wieder als wir sie zum Planungszeitpunkt annahmen. Das erreichte Ziel ist kaum noch etwas wert.« Schlimmer noch: »Wir hätten es wissen können!« Im “thinktalk“ erklärte ein Teilnehmer: »Pläne geben uns Sicherheit. Diese nimmt uns dann die Angst vor der Zukunft im Zusammenhang mit der Realität.« Er gab also zu, dass Pläne und reale Verhältnisse verschieden sind. Der Abend diskutierte »Wetten statt Planen«?

Liebe Leserin, lieber Leser,

dachten Sie kürzlich darüber nach, ein Problem zu lösen? Lag die Lösung in der Zukunft? Planten Sie?

Unterscheiden wir gleich zu Beginn zwei verschiedene Pläne:

  • Den zur Umsetzung von etwas Konkretem und

  • den zur Erreichung einer Idee oder Strategie.

Mit Plänen wollen wir unsere Zukunft strukturieren. Sie richten unser Handeln auf Ziele aus. Um die Zukunft aktiv zu gestalten, unsere Zeit und Ressourcen heute schon sinnvoll einzusetzen, treffen wir beim Planen Annahmen über unserer Zukunft. Konkretes setzen wir typischerweise mit Aufgaben um, die wir aufeinander abstimmen können. Manche Tätigkeiten laufen parallel, andere müssen auf die Fertigstellung vorgelagerter warten. Die Aufgabenstellung ist bekannt, die Lösung ist bekannt. Wir suchen noch den geeignetsten Weg. Für derartige Fragestellungen zur Abwicklung, ist Planung sinnvoll.

Kommen wir zur …

  • Umsatz-

  • Liquiditäts-

  • Strategie-Erreichung

und dergleichen mehr. Ich stimme dem Gast des thinktalk zu: »Zu diesen Punkten planen wir, um uns die Angst vor der Zukunft zu nehmen«. Wir tun es, um andere Menschen kontrollieren zu können, dass sie arbeiten, wie wir es uns ausdachten.

Ist das tatsächlich ein guter Weg, mit dem was kommt umzugehen? Gibt uns das die dafür nötige Flexibilität, Offenheit und Achtsamkeit auf Risiken wie Chancen? Was passiert in der zwischenmenschlichen Kommunikation?

Wir alle kennen eine interessante Alternative!

Auf das Ungewisse, Dynamische und Komplexe, das unsere Arbeitswelt heute ausmacht, lohnt es, zu wetten. In der Wette liegt von Beginn an die Möglichkeit, dass sie verloren geht. Deshalb beherzigen alle, die eine solche platzieren, die mit ihr verbundenen Gefahren. Jede/r strebt danach, stets die Bedingungen für den Wetterfolg zu verbessern. Totgeborene Annahmen, Vorstellungen und Projekte erkennen wir viel schneller als das, was sie sind. Schon zu Beginn, wenn wir uns nur ausmalen, unsere knappen Ressourcen auf sie zu verwetten und vielleicht komplett zu verlieren. Dir gefällt dieser Gedanke? Hier gibt es mehr dazu zu lesen!

Achten Sie …

…darauf, Zocken zu vermeiden. Spieler zocken, wegen des Kicks. Sie suchen nach riskanteren Spielweisen und setzen damit ihre Existenz (und nicht selten die anderer) aufs Spiel. Dabei steht ihr Nervenkitzel im Vordergrund. Häufig sogar, indem sie andere übervorteilen. Gleichgültig gegenüber den Inhalten sowie den Aufgaben, geht es nur darum, ein möglichst hohes Wagnis einzugehen. Das ist keine sinnvolle Haltung im Umgang mit Zukunft.

Suchen Sie allerdings nachhaltige Ziele – wie etwa sichere Arbeitsplätze, stabile Qualität, geringe Umweltbelastung oder ein verlässliches wirtschaftliches Fundament – entwickeln Sie Vorgehensideen, wie Sie dorthin kommen. Dann lohnt es, auf die Ideen zu setzen. Im besten Fall finden Sie Dritte, die mit Ihnen zusammen tippen. Anhand Ihrer Wettquoten sehen Sie, wo die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit zugeordnet wird. So priorisieren Sie Ihre Vorhaben.

Sie können auch entscheiden, welche davon Sie angehen wollen. Beispielsweise könnten Sie für sich eine Risikostreuung vornehmen. 90% der Unternehmungen sollen ein geringes Umsetzungrisiko haben, 10% ein hohes. Während die 90% Ihr Leben sichern, können die 10% mit der Absicht verbunden sein, überdurchschnittlich hohes Einkommen zu generieren.

Noch mehr Wert bringt tatsächlich die Vorbereitung einer solchen Wettsituation. Die Fragen:

  • Wen lässt man wetten?

  • Was für Alternativen stehen zur Verfügung?

  • Wie können die Wettenden die Auswahl richtig verstehen?

  • usw.

lassen Sie und andere besser mit Zukunftsangst umgehen als jeder Plan. Letzterer dient uns lediglich dazu, die Gefahren des Kommenden zu verdrängen. Tatsächliche Sicherheit gibt – wenn überhaupt – die gute Vorbereitung.

Zurück auf Anfang: Dachten Sie kürzlich darüber nach, ein Problem zu lösen? Lag die Lösung in der Zukunft? Kennen Sie die Aufgabenstellung und Lösung schon oder suchen Sie in einer unsicheren und dynamischen Umwelt nach einer stimmigen Lösung? Ist es bei Ihrem Ziel also angebrachter zu planen oder zu wetten – auf was tippen Sie ;)?

Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht ...

Gebhard Borck

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