Neue Ordnung statt Hackordnung


Mit 16 Jahren jobbte ich in den Ferien. Ich saß an der Maschine und legte runde Metallfolien auf den Hals von Keramikfläschchen. Soweit so gut. Doch eines Tages gab es einen Ruck und die Maschine stand still. Nichts ging mehr. Ich schlug vor, den Deckel der Maschine zu öffnen und einfach mal nachzusehen. Kein guter Vorschlag …

Nur wer darf, darf auch wirklich

Für diesen Vorschlag fauchten mich die Festangestellten an und forderten mich auf, gar nichts mehr anzurühren. Als hätte ich die Maschine mutwillig zerstört … Der Bereichsleiter kam vorbei und war sauer. Leider hatte er keine Ahnung von der Maschine und so dauerte der Produktionsstillstand mehrere Stunden. Dann kam der Abteilungsleiter vorbei, öffnete den Deckel, schob einen Riemen auf ein Schwungrad und drückte den Startknopf. Voilà! Beim Hinausgehen meinte er noch: „Das passiert öfters. Schaut beim nächsten Mal einfach mal rein. Habt ja jetzt gesehen wie’s geht.“

Ich war zunächst mit mir zufrieden, denn ich hatte schließlich eine gute Lösungsidee. Bei den Kollegen habe ich es mir damit aber so richtig verscherzt: Sie drangsalierten mich die nächsten Wochen. Ein arroganter 16-jähriger Bengel, der sich Vorschläge erlaubt, obwohl er das schwächste Glied in der Kette ist!? Das passte einfach nicht in das gängige Schema eines Hilfsarbeiters.

Bitte nicht denken!

Obwohl die Lösung so nahe lag, holte die Belegschaft zunächst den mit der höchsten Macht, den Bereichsleiter. Der delegierte das Problem dann an den Abteilungsleiter, der etwas tat, was absolut offensichtlich war und jeder hätte tun können. Und statt Lösungsvorschläge von einem Hilfsarbeiter anzunehmen, fühlten sich die festangestellten Mitarbeiter von mir angegriffen.

In diesem Moment kam mir das erste Mal ein Gedanke, eine Befürchtung, die sich im Laufe meines Lebens leider als absolute Wahrheit herausstellten sollte: Weisungsbefugnis führt zu Hackordnung. Einer Hackordnung, in der wir nach oben buckeln und nach unten treten. Im gleichen Zug gaukelt sie den niederen Rängen vor, dass die da oben alle Freiheiten haben.

Entscheidung à la Chef

Meine erste Anstellung nach dem Studium brachte mich genau deshalb an meine eigenen Grenzen. Ich analysierte als Assistent der Geschäftsleitung die Wirtschaftlichkeit meines Arbeitgebers. Das Ergebnis war alarmierend. Die Firma verlor Boden im Verkauf gegenüber dem Wettbewerb. Auf der anderen Seite produzierte sie Aufwände durch einen umfassenden Technikbereich. Ich setzte mich mit der Geschäftsleitung zusammen und stellte die Resultate vor. Diese legten den Schluss nahe, dass eine große Chance darin lag, die hauseigenen Werkstätten für Konkurrenten zu öffnen. So würde aus einem reinen Kostenfaktor ein Ertragsbringer. Der Eigentümer freute sich über die fundierte Auswertung und erklärte mir: „Herr Borck, wirklich gute Arbeit. Allerdings ist das noch immer meine Firma. Ich entscheide, was für sie gut ist und was nicht. Wenn Sie diese Freiheit auch wollen, gründen Sie vielleicht einmal ein eigenes Unternehmen.“

Mein Augenöffner

Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Ich will kein Angestellter sein. Ich will mich nicht dieser Hackordnung fügen. Klar, können Sie Verständnis für meinen damaligen Chef zeigen. Es war seine Firma, in der er die Vorgänge kontrollierte. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder eigene Ideen einbringt und umsetzt? Womöglich noch der Hilfsarbeiter …

So will ich nicht arbeiten! Anderen vorschreiben, wie sie was zu machen haben. Ständig kontrollieren, ob es dann auch passiert. Und am Ende Erwachsene zu bestrafen, als wären sie Kinder. Das ist keine Arbeitswelt, mit der ich meine kostbare Lebenszeit verbringen will. Und zum Glück bin ich mit dieser Einstellung nicht alleine.

Stephan geht es genau so. Deshalb haben wir nicht nur die Heiler GmbH auf einen neuen Weg gebracht – auf dem es all diese alten Strukturen, diese scheinbar vorherbestimmten Gesetze unserer Arbeitswelt nicht mehr gibt – , sondern wir haben auch ein Buch geschrieben. Über unseren gemeinsamen Weg, unsere Erfahrungen, unsere guten und schlechten Erfahrungen auf diesem Weg. „Chef sein? Lieber was bewegen!“ heißt das Werk, mit dem wir auch Sie als Unternehmer dazu ermutigen möchten, den Weg in eine andere Richtung zu gehen.

Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …

Gebhard Borck

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