Keine Hilfe erwünscht


Eines Tages fiel Stephan auf, dass der Bestand an unbezahlten, berechneten Belegen doppelt so hoch war wie üblich. Es stellte sich heraus, dass bei einigen vergessen wurde, sie als bezahlt zu markieren. Etliche Belege warteten darauf, dass sie jemand verschickt. Mit dieser Erkenntnis ging Stephan zur Auftragsabwicklung und traf auf seine Mitarbeiterin Sophia. Er erklärte ihr den Zusammenhang. Sie antwortete in genervtem Tonfall: „Dann machen wir das halt auch noch.“ Stephan war kurz vorm Platzen: „Ja, besser wär’s. Wir reden hier über maximal eine viertel Stunde pro Woche. Die sollte schon drin sein.“

Ups, was war denn da schief gelaufen?! Erwartete Sophia Hilfe? Wollte Stephan unterstützen?

Situationen wie diese kommen in Unternehmen immer wieder vor. Zurück bleiben zwei Fassungslose, in dem Fall Stephan und Sophia. Sie, weil sie noch mehr tun sollte. Er wegen ihrem Unverständnis um die wirtschaftliche Bedeutung. Stephan wollte danach am liebsten künftig die Belege immer selber prüfen. Sei es auch nur, um der Reaktion von Sophia auszuweichen. Doch das konnte kaum die Lösung sein. Aber was dann?

Über kurz oder lang

Als Stephan und ich über diese Situation sprachen, reflektierten wir natürlich, was schief gelaufen war. Diese Situation lehrte uns einen kleinen aber feinen Unterschied: Helfen ist nicht dasselbe wie unterstützen. Helfen bedeutet, dass einer die Arbeit für jemand anderen macht. Im Gegensatz dazu unterstützen wir jemanden, indem wir ihm beibringen, etwas eigenständig umzusetzen. Helfen entlastet nur für den Moment und lediglich durch Lastverschiebung. Eine Unterstützung hingegen schafft das dauerhaft durch Lastverteilung. Sie sehen die logische Konsequenz wahrscheinlich schon: Es macht mehr Sinn bei Problemen zu unterstützen statt spontan zu helfen.

Keine Hilfe, bitte!

Aber dürfen Sie denn jetzt gar nicht mehr hilfsbereit sein? Nun, die Schwierigkeit mit hilfsbereiten Mitarbeitern ist die: Sie übernehmen aufgrund ihrer Art schrittweise ständig mehr Tätigkeiten. Das fühlt sich anfangs gut an. Im weiteren Verlauf aber wächst bei ihnen ein Gefühl der Ungerechtigkeit. Das Problem: Sie haben die Aufgaben ja freiwillig akzeptiert, um zu helfen. Da können sie sich später schlecht über die Last beschweren. Und dann erwarten sie auch noch, dass ihre Kollegen sich ebenso hilfsbereit verhalten. Erkennen sie das Gegenteil, sitzt der Schock tief.

Unterstützung beim Unterstützen

Auch wenn es hart sein mag: Helfen hilft niemandem. Für die Organisation bedeutet helfen, dass zunehmend eine Minderheit an Menschen die Mehrheit der Arbeit übernimmt. In vielen Firmen korrigieren die Chefs dieses Ungleichgewicht regelmäßig. Entweder indem sie Belastungen neu zuweisen oder indem sie sie auf sich nehmen. Was aber, wenn Sie Ihr Unternehmen ebenso hierarchielos führen wie Stephan? Wenn Sie Befehle und Anweisungen von oben schon lange an den Nagel gehängt haben?

Spätestens dann wird die Unterscheidung zwischen helfen und unterstützen unumgänglich, denn dann brauchen Sie Angestellte, die eben diesen Unterschied verstehen. Gelingt es Ihnen, dass Helfen und Unterstützen in Ihrem Unternehmen konsequent unterschieden werden, lösen Kompetenzen wie Geduld, Zurückhaltung, Bestimmtheit und die Fähigkeit, im richtigen Zusammenhang Nein sagen zu können, die Problematik der falsch verteilten Arbeitslast. Der Weg dahin ist oft anstrengend, aber er lohnt sich!

Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …

Gebhard Borck

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