Firma gefährdet? Eigenverantwortung im Unternehmen


„Ihr überlasst das ihnen? Ihr greift nicht ein?“ Ungläubig sah mich die Teilnehmerin der Konferenz an, als wir nach meinem Vortrag bei einem Getränk zusammenstanden. Als hätte ich ihr gerade gestanden, dass ich meinen minderjährigen Kindern die Kontoführung unseres Familieneinkommens überlasse. Sie lassen das die Teenies selbst entscheiden?

Allerdings ging es nicht um Teenies, sondern um die Mitarbeiter der Alois Heiler GmbH. „Das gefährdet doch die ganze Firma!“, wandte die Teilnehmerin ein. Was denken Sie über den Einwand der Dame?

Kindergarten oder Eigenverantwortung?

Was denken Sie über den Einwand der Dame? Mich erinnerte das Gespräch an eine Besprechung mit einem Mitarbeiter, der die Veränderungen, die Stephan und ich angestossen hatten, nicht mitgehen wollte. „So ein Schwachsinn!“, sagte er. „Der reinste Kindergarten. Dieses ganze Ding mit der Eigenverantwortung … Womit verschwende ich hier nur meine Zeit. Und Stephan unterstützt den Beraterhampelmann mit seinem Dreck …“

Aber Stephan und ich, der „Beraterhampelmann“, waren überzeugt, dass die eingeschlagene Richtung der formalen Führungslosigkeit und der Entwicklung der Mitarbeiter hin zur Eigenverantwortung für die Alois Heiler GmbH gut ist. Sie führt das Unternehmen und auch die Mitarbeiter in eine erfolgreiche Zukunft. Sichert in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung Arbeitsplätze.

„Da nur zuzuschauen, kann einen kirre machen“

Natürlich war der Weg, den wir vor 4 Jahren einschlugen, um die Alois Heiler GmbH fit für sich wandelnde Märkte zu machen, auch für Stephan und mich eine Herausforderung.

Viele Firmen setzen auf Selbstorganisation, mit tiefer und flacher Hierarchie. Das klingt nett, bleibt aber an der Oberfläche. Das was wir bei Heiler gemacht haben, ist etwas anderes: Wir übertragen konsequent die Steuerung und die Kontrolle. Die Entscheidungsgewalt und die Verantwortung liegen bei den Mitarbeitern. Der Chef in seiner formalen Ausgestaltung hat ausgedient.

Stephan hatte damit zu Anfang sehr zu kämpfen, wie er auf dem Kongress erzählte: „Mich zerriss es innerlich. Ich war ja gewohnt, Alternativen zu entwickeln, zu planen und den Mitarbeitern zu sagen, was zu tun ist. Jetzt bringen wir die Belegschaft ins Denken. Die Mitarbeiter setzen sich mit unternehmerischen Fragestellungen auseinander. Sie überlegen, wägen ab und finden ihre Lösungen. Dazu drehen sie einige Schleifen. Mir ging es zuerst so wie einem Vater, der seine Kinder zum ersten Mal alleine Fahrrad fahren lässt. Da nur zuzuschauen, kann einen kirre machen.“

Und doch hat er es ausgehalten. Er hat die Mitarbeiter in die Eigenverantwortung hineinwachsen und lernen lassen. Seine eigene Entwicklung? Er hat aufgehört, Chef zu sein.

Mitarbeiter sind keine Teenies

Es dauerte Monate, bis die Mitarbeiter darauf vertrauten, dass wir ihnen tatsächlich ernsthaft die Verantwortung gaben. Dann begannen sie, zurückhaltend mitzumachen. Inzwischen kaufen sie Maschinen in eigener Regie ein. Sie nehmen Einstellungen wie Entlassungen vor. Sie führen Mitarbeitergespräche. Sie verhandeln direkt mit Lieferanten. Das alles ohne Vorgesetzte. Übrigens: der oben zitierte Mitarbeiter hat den „Kindergarten“ von sich aus verlassen.

Die Ergebnisse geben uns recht. Die Praxis zeigt einfach, dass wir eine Richtung eingeschlagen haben, welche die Firma und die Mitarbeiter sicheren Schrittes in die Zukunft führt.

Und so konnte ich der Dame auf dem Kongress lächelnd sagen: „Nein, die Eigenverantwortung bei den Mitarbeitern gefährdet die Firma nicht, im Gegenteil!“ Denn Mitarbeiter sind eben keine Teenies.

Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …

Gebhard Borck

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