Ein guter Start darf holpern




Die Frage, wie wir in Zukunft reisen, ist seit geraumer Zeit ein Dauerbrenner in der Politik und jeden Freitag auf den Straßen der Welt. Das bleibt wohl auch im neuen Jahr 2020 so. Die Frage dahinter ist, wie bekommen wir die Zukunft auf die Straße? Oder auf die Schiene? An Vorsätzen zum Jahreswechsel, die Probleme etwa zum Thema Klimaschutz zu lösen, gibt es sicherlich keinen Mangel.

Aber jetzt? Wie geht es weiter? Ich habe den Eindruck, dass die Gefahr, sich in Lösungsideen mit entsprechenden Gegenentwürfen zu verzetteln, immer größer wird. Das erinnert mich an die Anfänge der Transformation bei der Alois Heiler GmbH und an unseren Umgang mit dem aufkommenden Durcheinander.


Zukunft, jetzt

Für viele war unser Start in die Zukunft befremdlich. Als Stephan und ich ernst machten mit unseren Ideen für die Transformation des Unternehmens, schien dieses Gefühl vorherrschend zu sein: Im April 2014 kam erstmals die gesamte Firma zusammen, um gemeinsam inhaltlich am Unternehmen zu arbeiten. Wir nannten die Veranstaltung „Zukunftskonferenz“. Es war die erste Betriebsversammlung nach einem neuen Muster.

Heute sind Großgruppen-Workshops ein zentraler Bestandteil der Betriebskatalyse. Der Anfang damals war allerdings für viele Kollegen eine irritierende Erfahrung. Denn noch nie hatten die Heiler-Mitarbeiter zusammen Inhalte für die Firma entwickelt – erst recht in keiner so großen Gruppe. Noch nie waren die Mitarbeitenden mit einem zentralen Element der Transformation konfrontiert worden – der Eigenverantwortung für den Betrieb. Durch diese Irritation entstand Neues.


Der da oben wird es schon richten

Bis dato liefen Betriebsversammlungen immer nach einem bekannten Schema ab. Sie werden das kennen. Oben wird präsentiert, unten hört zu (oder eben auch nicht). Die Firmenleitung prägt das Geschehen durch Frontalpräsentationen. Die Geschäftsführung teilt mit, was ihr wichtig ist. Sie lobt und tadelt aus taktischen Beweggründen. Eine überprüfbare, verständliche Datengrundlage ist häufig Fehlanzeige. Langjährig treue Angestellte erhalten Anerkennungsgeschenke für ihren Gehorsam. Das klingt traditionell alles schön und gut – doch für die Organisation eines Unternehmens, das auch in Zukunft gut aufgestellt sein will, fatal.

Fatal, weil der Eindruck vermittelt wird, dass die da oben das schon richten . Genau deshalb war die Irritation, die im April 2014 bei den Mitarbeitern der Alois Heiler GmbH herrschte, sehr produktiv: Weil sie klar zeigte, dass die Trennung zwischen „denen da oben, die das schon richten werden“ und „uns da unten, die wir uns danach zu richten haben“, aufgehoben war. Es entstand eine Lücke, die einigen Angst machte – viele erkannten allerdings auch die Chance, Zukunft wirklich zu gestalten.


Zukunft gestalten

Bei all den Problemen, welche die Politik, unsere Autobauer, die Energiewirtschaft, wir an unsrem tagtäglichen Esstisch usw. mit den wichtigen Themen der Zukunft haben, zeigt sich meiner Meinung nach dasselbe Muster: Bei uns Bürgern herrscht immer noch der Eindruck vor: Die da oben werden das schon richten.

Es mag sein, dass wir daran zweifeln, dass die da, die jetzt „da oben“ sind, die richtigen für diese Aufgabe sind. Aber grundsätzlich delegieren wir gerne zu großen Teilen die Verantwortung an „Vertreter des Systems“. Ja, sagen Sie jetzt vielleicht, aber was ist mit „Fridays for Future“? Mit Greta? Die haben die Verantwortung auf die Straße geholt, nach unten …

Nein. Das Phänomen „Greta Thunberg“ ist für mich gerade ein Indiz für die Gefahr, weiter im Muster zu verharren. Anstatt an unseren Arbeitsplätzen, in unsrem täglichen Tun selbst Verantwortung zu übernehmen, wird Greta mehr und mehr zur neuen Heilsfigur stilisiert. Das ist clever, denn jetzt schieben wir unsere Verantwortung auf sie ab. Jetzt gehört sie zu „denen da oben“, zur UN, in den Kreis der Regenten der Welt, die sie überzeugen soll.


Die Lücke füllen

Als die Kollegen damals verstanden hatten, dass niemand „von oben“ die Lücken füllen wird – Lücken wie: „Was machen wir mit den Zahlen?“, „Wie soll die Entwicklung im kommenden Jahr laufen?“, „Welche Investitionen sind notwendig?“ – , entstand etwas Spannendes. Da fühlten sich die Kollegen plötzlich verantwortlich für das Geschehen. Oder anders gesagt: Sie nutzen die Chance, im Sinne der Firma zu agieren.

Das war unsere Lösung bei der Alois Heiler GmbH: Eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der die Selbstverantwortung, die zu uns Menschen gehört, möglich ist.

Und das wünsche ich uns im nun begonnenen Jahr für unsere Gesellschaft: Weniger Verantwortung nach oben delegieren, stattdessen selbst handeln – Am 12. Juni 2020 treffen sich in Berlin Menschen, um direkt in die Gesetzgebung einzugreifen. Wir gehen neue Wege in der Demokratie. Zusammen mit Joan Hinterauer veranstalte ich dieses Jahr einen Event für Menschen, die sinnvoll koordiniert wirtschaftlich unabhängig ihren Lebensunterhalt verdienen wollen– selbst denken.


Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …


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