Führungslos, aber nicht kopflos


Ein Monteur bemerkt beim Einbau von Glasduschen, dass etwas anders ist als sonst. Er hält das für eine Ausnahme. 200 Kilometer weiter nördlich macht ein anderer Monteur die gleiche Entdeckung. Und auch viele weitere Monteure in unterschiedlichen Einsatzgebieten bemerken, dass die Glasdusche irgendwie bauchiger ist als sonst. Obwohl sich jeder wundert, gibt niemand die Info weiter. Wird bestimmt eine Ausnahme sein …

War es nicht. Wir mussten das Problem mit dem Lieferanten besprechen, die Ursachen und Folgen analysieren und klären. Von der Häufung erfuhren wir eher zufällig. Die Monteure beschwerten sich beim Kaffeetrinken mit Kollegen. Dieses Problem hätte früher auffallen können – und müssen.

Das führungslose Unternehmen funktioniert sehr gut, wenn alles normal läuft. Trotzdem erkannten Stephan und ich durch Vorfälle wie diese, dass wir jemanden brauchen, der einen zentralen Überblick hat – sowohl über Veränderungen auf dem Markt als auch über interne Probleme. Jemanden, der alles zusammenführen kann. Vielleicht jemanden, der quasi wie ein Katalysator funktioniert …

Erkennen und zusammenführen

Ich bin der Meinung, dass jedes führungslose Unternehmen eine Art Katalysator braucht, der Negativentwicklungen und Fehler erkennt, minimiert und im Idealfall verhindert. Deshalb entwickelten wir in unserem Unternehmen den „Betriebskatalysator“, der in Aktion tritt, wenn Themen aufkommen, die das gesamte Unternehmen angehen. Jemanden, der den Ist-Zustand im Unternehmen und auf dem Markt abbildet, abgleicht und die sich daraus ergebenden Prozesse initiiert und moderiert. Dabei geht es zunächst darum, dass der Betriebskatalysator dezentrales Wissen zentral bündelt – und umgekehrt.

Sie denken jetzt vielleicht, dass diese Person dann einen höheren Stellenwert hat, ähnlich wie eine Führungskraft. Schließlich muss sie über vieles im Bilde sein, damit sie die verschiedensten Organe zusammenführen kann, wenn es Probleme gibt.

Kein Sonderstatus, aber eine Sonderaufgabe

Das würde jedoch unserem Leitbild widersprechen. Deshalb erwarten wir von jedem unserer Mitarbeiter, dass er einen „Betriebskatalysatoren-Blick“ hat. Jeder hält die Augen offen und meldet Auffälligkeiten. Dafür schaffen wir gemeinsam Kommunikationsplattformen und sorgen dafür, dass es in jedem Organ einige Mitarbeiter gibt, die sich mit der strategischen Kommunikation beschäftigen. Der Betriebskatalysator hat andere Kompetenzen als Mitarbeiter, die im Tagesgeschäft aktiv sind, aber keine Weisungsbefugnis. Wenn der Katalysator Veränderungen oder Auffälligkeiten feststellt, wird zunächst von den entsprechenden Organen überprüft, ob dadurch Nachteile oder Schädigungen für das Organ entstehen. Es wird nicht pauschal gehandelt, nur weil der Betriebskatalysator es sagt.

Aktuell sind Stephan und ich noch in dieser Position. Es ist unser Weg, um Probleme zu erkennen, Alternativen zu entwickeln und konkurrenzfähig zu bleiben. Mit dem Katalysator haben wir keine langen Wege, sind effektiv und schnell. In Zukunft stellen wir uns vor, intern einen Betriebskatalysator zu finden. Damit gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt auf der Zielgeraden zum führerlosen Unternehmen.

Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …

Gebhard Borck

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