Mit Herz und Verstand – oder: Bin ich radikal?


„Der Herr Borck ist halt provokant, der verfolgt einen radikalen Ansatz.“ solche Sätze höre ich oft, gerade auf Veranstaltungen oder wenn neue Kunden über mich reden. Das stimmt mich nachdenklich. Radikal, Fragezeichen. Bin ich das? Ist mein Ansatz wirklich radikal?


Wenn ich darüber nachdenke, komme ich zum Schluß: Nein. Verstehen Sie mich bitte richtig, ich kann die Annahme, ich sei radikal, gut nachvollziehen. Es zeigt wie andere zu dem stehen, was ich vertrete. Für sie ist das Thema Transformation an und für sich schwierig. Transformation macht ihnen vielleicht sogar Angst. Also mache auch ich ihnen Angst. Da ist es dann einfach zu sagen: „Der Borck ist radikal!“


Solche Einschätzungen sind natürlich schade. Weil sie in die Irre führen. Sie lassen außer Acht, was für Sie in Ihrem ganzen Transformationsprozess sehr wichtig ist.


„Aber darin sind Sie konsequent!“

Im Herbst hielt ich inhouse eine Keynote vor 120 Mitarbeitern. Thema: Neues Arbeiten, gleichberechtigte Betriebswirtschaft, Angst in Veränderungen und so fort. Nach der Keynote sprach mich ein Mitarbeiter an: „Herr Borck, Sie sind ja gar nicht radikal. Sie sind konsequent.“

Sie können sich vorstellen, wie hellhörig ich da wurde. So bat ich ihn, es mir genauer zu erklären. Er führte aus: „Radikal ist, wer von den Menschen will, von heute auf morgen ganz anders zu sein. Wer einen sofortigen Umbruch fordert.“ Zugegeben, so eine saubere Trennung der Begriffe überraschte sogar mich. Also bohrte ich weiter: „Warum sehen sie mich denn so?“

Darauf meinte der Mitarbeiter: „Anfangs hielt ich Sie schon für einen Radikalen. Je länger ich zugehört habe, umso mehr hat sich mein Bild aber verschoben: Sie erwarten von uns Menschen überhaupt keine 180-Grad-Drehung von heute auf morgen. Sie sagen mir keineswegs: Du musst dich ändern! Damit hätte ich nämlich ein Problem. Denn wer will sich schon vorschreiben lassen, wie er sich zu verändern hat? Dagegen sträube ich mich automatisch! Sie sind cleverer …“

Er schmunzelt: „Sie bieten mir an, wenn ich ein Problem im Unternehmen lösen will, mit mir einen anderen, Ihren Lösungsweg zu gehen, mich darin zu begleiten. Wenn ich also ein Problem lösen will, und es mich interessiert, hol ich Sie dazu. Dabei kann ich immer entscheiden, wie weit ich mit Ihrem Lösungsansatz mitgehen möchte. So machen Sie mir ein Angebot, gemeinsam das Problem lösen. Sie bleiben allerdings in Ihrem Lösungsweg sehr konsequent. Das ist für mich der Riesenunterschied zur Radikalität. Da wird mir die Entscheidung über den Weg abgenommen. Und das regt mich auf.“


Den Ball zurückspielen

Nicht radikal, vielmehr konsequent. Mir gefällt diese Unterscheidung sehr. Weil sie auf den Punkt bringt, was mir bei meiner Arbeit am Herzen liegt: Mit Menschen, die zur Veränderung bereit sind, einen anderen Weg gehen – freiwillig, gemeinsam, verstehend und verständig. Den Weg konsequent gehen. Das heißt für mich auch: den Weg mit Herz und Verstand gehen.

Ein radikaler Ansatz ist gänzlich anders. Das ist eine Veränderung von oben herab oder von außen, mit Druck – verkopft –, wie mit der Brechstange. Wer radikal agiert, verzichtet auf Resonanz: wie sich die Mitarbeiter fühlen, was sie wollen, was sie denken usw.

Genau diese Resonanz ist mir wichtig. Wenn ich beispielsweise eine Anfrage von einem Unternehmen erhalte, spiele ich den Ball zunächst zurück. Die Mitarbeiter sollen verstehen, was mein Ansatz ist. Sie sollen entscheiden, ob meine Art etwas für sie ist und ob sie sich daran beteiligen wollen.

Erst wenn sich die Mitarbeiter gemeinsam mit mir auf den Weg machen möchten, habe ich grünes Licht. Die Umkehr zeigt sich auch in der Haltung: kein „Borck kommt und krempelt den Laden um“, sondern „Borck kommt nur, wenn wir gemeinsam die Ärmel hochkrempeln“. So in etwa.

Weil ich davon überzeugt bin: Ohne das Miteinander gibt es keine dauerhafte Transformation!


Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …


Gebhard Borck


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