Macht’ mal mediterran – was Sie von Spanien in der Transformation lernen können

Jüngst fiel mir an der Supermarktkasse in Spanien auf, warum bei vielen deutschen Unternehmen der Transformationsprozess stockt: Die Kassiererin in meiner zweiten Heimat an der Costa Brava führte einen Plausch mit dem Kunden vor mir in der Schlange, einem Franzosen – während die Spanierin ungestört in holprigem französisch mit dem Mann scherzte, warteten dahinter mehrere Menschen in der Schlange. Als ich an der Reihe war, erhielt ich ein „Guten Tag. Wie geht’s?“ zur Begrüßung – und ich weiß, dass sie so noch in einigen anderen Sprachen mit ihren Kunden parliert. Das klingt nie perfekt, aber immerhin: Sie kommt dadurch ins Tun.

Und genau das vermisse ich bei deutschen Unternehmen …


Die Bucht von Tossa de Mar in Girona, Katalonien


Steckenbleiben im deutschen Perfektionismus

Ich weiß, es ist mindestens wagemutig, kulturelle Stereotype überzustrapazieren, aber wer will mir widersprechen, dass „der Deutsche“ zum vorweggenommenen Perfektionismus neigt? Zumindest zeigt sich das bei einigen Unternehmen in der Transformation. Aus den Zeiten der hierarchischen Strukturen sind wir es ja gewohnt, ein Projekt langfristig zu planen, alles vorausschauend durchzurechnen und dann in die zielgenaue –perfekte – Umsetzung zu gehen.


Und klar, deutsche Ingenieure können ein Lied davon singen, das lief Jahrzehnte lang exzellent – es brachte uns auf diesem Gebiet einen gewissen Weltruhm ein. Aber in Zeiten von Disruption macht dieses Vorgehen Ihre Transformation lahm. Viele Unternehmen tüfteln solange an der perfekten Lösung, bis sie die nächste Innovation schon wieder obsolet gemacht hat. Deshalb gilt bei den rasanten Veränderungsprozessen: losgehen. Machen!


Und genau das können wir von mediterranen Kulturen lernen.


Steckenbleiben auf Tourismusniveau

Nein, lieber Leser, ich will Ihnen keinesfalls sagen, dass Spanien uns durch die Eigenschaft demnächst in der Wirtschaftskraft überholen wird. Denn natürlich hat auch die mediterrane Kultur des sorglos Machens ihre Kehrseiten. Auch das zeigt uns die Supermarktkassierin an der Costa Brava: Sie wird keiner ihrer Sprachen jemals perfekt können, sie verweilt ihr Leben lang im Amateur-Touristenniveau.


Der Königsweg vereint beide Kulturen – und genau das haben wir bei der Alois Heiler GmbH gemacht: Die Mitarbeitenden konnten einfach loslegen. Sie hielten Workshop-Tage ab, das Team übernahm die Verantwortung und Lösung der Probleme, die die Führungskräfte hatten, ja sie entwickelten sogar Strategien. Natürlich geriet auch dieser Prozess immer wieder ins Stocken – doch anstatt mit Amateurniveau im hierarchiefreien Führen zufrieden zu sein, hielt ich mit deutschem Perfektionismus dagegen: „Wir denken nun solange gemeinsam weiter, bis das Problem ‚perfekt‘ gelöst ist!“ Das gilt bis heute.


Wir vermieden stets, wieder in das alte System zurückzufallen – so wie Sprachanfänger irgendwann wieder in ihre Muttersprache zurückfallen – sondern hielten an dem neuen System fest. Solange, bis es saß. Heute haben die Mitarbeitenden der Heiler GmbH das Prinzip der formalen Hierachielosigkeit auf einen sehr hohen Niveau erlernt. Sie streben weiter nach Perfektionismus. Und das, obwohl die meisten noch immer kein Spanisch sprechen …


Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …


Gebhard Borck


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