Wichtige Entscheidungen sind für alle da

Wie steht es in Ihrem Betrieb um die Unternehmensdemokratie? Inwieweit binden Sie Ihre Mitarbeiter in die betrieblichen Entscheidungsprozesse ein? Dürfen sie entscheiden, welche Farbe die neuen Kugelschreiber haben und welches Giveaway künftig an die Kunden verschenkt wird oder dürfen sie tatsächlich über die Preisgestaltung und die eigenen Arbeitszeiten entscheiden?

Manche zucken jetzt vielleicht zusammen: Mitarbeiter sollen über so wichtige Dinge wie die Preisgestaltung bestimmen? Das ist doch Sache der Geschäftsführung!

Der Chef wird’s schon richten!

Diese Meinung hatten die Mitarbeiter der Alois Heiler GmbH vor einigen Jahren auch noch. 2014 legten Stephan und ich im Rahmen einer Betriebsversammlung offen die Zahlen auf den Tisch – eine ehrliche, ungeschönte Bilanz aus der Historie des Unternehmens. Am nächsten Tag sollten die Mitarbeiter Fragen zum Betrieb beantworten. Es ging uns vor allem um das Unternehmensverständnis, das wir uns von der Belegschaft wünschten: Wie bringen sie sich konstruktiv in ihren Arbeitsbereich ein? Was können sie im Sinn der Firma besser machen? Wie sollten die Prozesse zusammenlaufen? Die Reaktionen der Mitarbeiter? Negativ! Sie waren alles andere als begeistert. Das sei Aufgabe der Geschäftsführung.

Nur wenige Jahre später hat sich das Blatt komplett gewendet. Die Betriebsversammlung ist inzwischen eine Arbeitsveranstaltung, über deren Agenda die Mitarbeiter mitentscheiden. Die Belegschaft setzt die Themen der Firmenentwicklung selbstständig und priorisiert sie. Diese Liste arbeiten wir danach gemeinsam sukzessive ab. Kommt ein neues Themenfeld hinzu, entscheiden die Mitarbeiter wo und wie es in die Liste aufgenommen wird. Es ist also ein kontinuierlicher Demokratieprozess entstanden, den inzwischen alle Mitarbeiter sehr schätzen.

Viele Köchen zaubern ein Gourmetmenü

Das ist genau richtig, denn: Je strategischer eine Entscheidung ist, desto besser und wichtiger ist es, sie mit Demokratie zu lösen.

Oft wird Unternehmensdemokratie nur auf Alltagsebene zugelassen. Da darf die ganze Belegschaft entscheiden, ob die neuen Büroartikel grün oder orange werden sollen. Das allerdings sollen meiner Meinung nach die Marketer direkt oder jemand, der sich mit der Farbenlehre auskennt, entscheiden. Mit Unternehmensdemokratie hat das nichts zu tun. Geht es aber um einen möglichen neuen Standort und alle damit verbundenen Konsequenzen, um eine Preiserhöhung oder um den Bedarf von neuen Mitarbeitern, also um große strukturelle Dinge und Veränderungen, dann entscheidet oft die Geschäftsführung alleine. Dabei sollte über genau solche wichtigen Themen demokratisch entschieden werden!

Natürlich werden dann nicht alle einer Meinung sein – sollen sie auch gar nicht. Denn nur wenn Widerstand beachtet und einbezogen wird, wenn viele Menschen mitentscheiden, nur dann kann ein qualitativ hochwertiges Ergebnis entstehen. Und Sie werden in der Umsetzung garantiert auf viel weniger Widerstand stoßen, als wenn Sie von oben herab entscheiden.

Das haben wir in der Alois Heiler GmbH im vergangenen Jahr deutlich gemerkt, als sich herausstellte, dass unsere bisherige Einteilung des Vertriebs nach Regionen den aktuellen Marktgegebenheiten nicht mehr standhält. Wir zeigten also der Belegschaft offen die aktuelle Situation auf.

Das Wunder des Selbstläufers

Dann geschah etwas Unglaubliches: Eine Mitarbeiterin erkannte das Problem und schlug vor, die Teams in Privat- und Projektaufträge zu unterteilen statt der regionalen Zuordnung. Das war ein Gedanke, den Stephan und ich auch schon oft diskutierten, allerdings haben wir uns gar nicht getraut, das direkt anzusprechen, da sich die Regionalteams zu dem Zeitpunkt gerade erst eingespielt hatten. Doch die Belegschaft hat das Problem selbst erkannt und behoben. Innerhalb von acht Wochen organisierten wir den Marktbereich komplett neu.

Ja, es gab natürlich auch Debatten, aber nach wenigen Wochen war das Thema durch. Eine Leistung, die ohne den demokratischen Prozess niemals so schnell und mit so wenig Widerstand möglich gewesen wäre.

Es sich vorzustellen ist einfach, wenn man es nur versucht …

Gebhard Borck

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