Sinnkopplung

Grundlagen der Betriebswirtschaft mit Menschen.

 

"Sinnkopplung ist der Moment, in dem ein Mensch emotional, unbewusst und bewusst an jemanden bzw. etwas (einen anderen Menschen oder ein Unternehmen, eine Bewegung, Idee, Gemeinschaft, Marke, etc.) so anknüpft, dass sich von diesem Moment an sein Handeln und Denken ändert."

Gebhard Borck

Viktor Frankl (1905-1997)

Der Wille zum Sinn bestimmt unser Leben! Wer Menschen motivieren will und Leistung fordert, muss Sinnmöglichkeiten bieten.

Sinnkopplung

Bedeutung in der Wirtschaft


Der GALLUP Engagement Index 2012 für Deutschland des Marktforschungsinstituts Gallup ergab, dass 61 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland lediglich “Dienst nach Vorschrift” schieben (sie sind größtenteils nicht sinngekoppelt). Gerade einmal 15 Prozent arbeiten mit Freude in ihrem Beruf (sie sind sinngekoppelt). 24 Prozent sind sogar so unzufrieden am Arbeitsplatz, dass sie gegen ihren Arbeitgeber tätig werden (sie sind sinn-entkoppelt). Der deutschen Wirtschaft entsteht dadurch ein Schaden in Höhe von 112 bis 138 Milliarden Euro jährlich. Quelle: Engagement Gallup External Link, Stand 06.03.2013 Gallup konnte in seiner Studie zeigen, dass sich die Produktivität von Unternehmen durch entsprechende Maßnahmen zur Steigerung der (emotionalen) Mitarbeiterbindung nachweisbar und erheblich verbessern lässt. Mit Sinn zu arbeiten ist in den Lebens- und Arbeitswelten also mit hoher Wahrscheinlichkeit ein entscheidender Erfolgsfaktor für Unternehmen. Führungsmodelle, die dem Rechnung tragen, setzen verstärkt auf Mitbestimmung, auf Selbstbestimmtheit und Zusammenarbeit. Das steht häufig in direktem Widerspruch dazu, wie sie Arbeit grundsätzlich über formal hierarchische Anweissysteme organisieren. In einer veränderten Wirtschaftswelt, die auf Kooperation basiert und mit zugewandter Empathie gelingen will, braucht es die Auseinandersetzung über die Bindungsgründe von Mitarbeitern in Unternehmen – die Auseinandersetzung mit Sinnkopplung. Wenn das Einkommen nicht mehr der zentrale Bindungsmechanismus sein soll, gilt es zu verstehen, welche Formen der Bindung für Wirtschaftsunternehmen (sei es in Projekten innerhalb eines Unternehmens oder auch unternehmensübergreifenden Projekten) funktionieren – und wie. Affekt-basierte Motivatoren (Gehaltserhöhungen, mehr Entscheidungsfreiräume, Bonusse etc.) sind unzuverlässig und kaum als krisenrobust zu bezeichnen. Zum einen, weil es in einer Krise notwendig sein kann, eben diese affekt-motivierenden Ressourcen einzuschränken. Zum anderen, weil affekt-motivierende Ressourcen einer Gewöhnung unterworfen sind und nach einer gewissen Zeit nicht mehr als Privileg sondern als gegeben angenommen werden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre motivierenden Eigenschaften verlieren. Anders bei der Sinnkopplung, ihr liegt eine kognitive Bewertung zugrunde, die im Abgleich mit der eigenen Persönlichkeit, den individuellen Motiven und Werten stattfindet. Fällt diese Bewertung positiv aus, kommt es zur Sinnkopplung. Aufgrund seines Charakters als Bewertung steigt bei einer Sinnkopplung – im Gegensatz zu einer Affektreaktion – die Wahrscheinlichkeit, auch in Krisen motiviert zu bleiben. Im Zuge der demografischen Entwicklung werden (gute) Mitarbeiter knapp. Unter zunehmend volatilen Marktbedingungen ist es im Wettbewerb um Mitarbeiter deshalb wirtschaftlich sinnvoll, den Mechanismus der Sinnkopplung zu beobachten und für das Unternehmen mit Bezug auf das Arbeitsengagement nutzbar zu machen.




Literatur


  • Heiler&Borck – Chef sein? Lieber was bewegen! – Eigenverlag (2018)
  • Sylvia Jumpertz – Management by Meaning – Wo ist das Wozu? (2015) – managerSeminare, Heft 208, Juli 2015, S. 72 – 78; hier geht’s zum Artikel-Podcast
  • Gebhard Borck – Affenmärchen – Arbeit frei von Lack und Leder (2011) – edition sinnvoll wirtschaften
  • Bernd Geropp – Ist die Katze aus dem Haus … so arbeiten Ihre Mitarbeiter eigenverantwortlich und selbständig (2013) – redline Verlag
  • Thomas Höge, Tatjana Schnell – Wirtschaftspsychologie 14. Jahrgang 2012 Heft 1 91 – 99 – Kein Arbeitsengagement ohne Sinnerfüllung
  • Niels Pfläging – Die 12 neuen Gesetze der Führung: Der Kodex: Warum Management verzichtbar ist – Campus
  • Schaufeil, W. B. Saalnova, M., González-Romá V. & Bakker, A. B. (2002). – The measurment of engagement and burnout: a two sample confirmatory factor Analytik apporach. Journal of Happiges Studies, 3, 71-92
  • Dr. Andreas Zeuch – Feel it! So viel Intuition verträgt ihr Unternehmen (2011) – Wiley




Weblinks Sinnkopplung in der Praxis






Kopplungszustände

Sinn-Prüfung


Grundlage für die Kopplungszustände ist die Sinn-Prüfung, die zeitlebens von jedem Mensch durchgeführt wird. In einem ständigen, teilweise bewussten – zumeist jedoch unbewussten Ablauf, prüft jede*r von uns ihre/seine wahrgenommenen Eindrücke. In diese kontinuierliche Prüfung fließt die Vernetzung der Erfahrungen in Bezug auf eine Sinnhaftigkeit für uns selbst und unsere Existenz mit ein. Dieser Prüfablauf kennt weder Pausen noch Unterbrechungen, selbst im Schlaf oder in einer tiefen Meditation ergeben sich sinnhafte Erkenntnisse. Der Prüfablauf ist kaum bewusst zu steuern und folgt der menschlichen Sehnsucht / Suche nach einem Sinn für die eigene Existenz. Alle Menschen vollziehen diese Prüfung fortwährend. Sein Ergebnis kann sich jederzeit ändern. So kann die Beziehung zu einem Menschen, die bisher bestimmend für das eigene Leben war, von einem Moment auf den anderen völlig sinnlos sein und umgekehrt. Dabei unterliegt Sinnkopplung keinen Verschleißerscheinungen. Häufig verstärken sich einmal getroffene Richtungsentscheidungen mit der Zeit sogar und machen die Sinnbindung robuster. Dennoch kann ein kleines äußeres Ereignis oder eine neue Erkenntnis alles bisher Sinnhafte sinnlos machen.




Aus-Kopplung


Sie ist der häufigste oder normale Zustand. Sie hören etwas oder lernen jemanden kennen und bleiben neutral. Sie sind weder dafür noch dagegen. In diesem Zustand können Sie sich mit Ideen und Menschen identifizieren oder sie ablehnen. Sie sehen jedoch keine Notwendigkeit, Ihre Handlungen und Haltungen zu verändern. Aus-Kopplung macht uns tolerant und offen für unsere Umwelt. Innerhalb einer übergeordneten Sinnkopplung (“Es hat Sinn, regelmäßig Geld zu verdienen.”) können Menschen viel Aus-Kopplung (“Das Wohl und Wehe der Firma, in der ich arbeite, ist mir egal.”) aushalten.




Sinn-Entkopplung


In diesem Fall erleben Sie eine Situation oder jemanden und sind damit so uneinig, dass Sie handeln müssen. Sie beenden Ihre Beziehung. Sie verlassen eine Feier, einen Ort oder einen Kinofilm. Sie geben Ihre Arbeitsstelle auf – weil es nicht mehr anders geht. Sie sind so dagegen, dass Sie bereit sind, Energie in Gegenmaßnahmen zu stecken. Sinn-Entkopplung kann zugleich Sinnkopplung mit etwas Neuem bedeuten und so steckt auch in ihr die Kraft für ein ganzes Leben oder auch nur fünf Minuten. Sinn-Entkopplung bedeutet, dass Sie gezielt Energie aufwenden, um gegen etwas zu sein/ zu handeln.




Umgang mit den Kopplungszuständen


Der Schlüssel im Umgang und der Anwendung von Sinnkopplung liegt in der Achtsamkeit für die Kopplungszustände bei sich und bei anderen. So kann Sinnkopplung ganz praktisch dabei helfen, im Alltag mit Sinn(Erfüllung) umzugehen – mit der eigenen wie auch mit der von anderen. Aufmerksame Zuhörer und Beobachter können die Momente von Kopplung / Entkopplung und Aus-Kopplung bei sich ebenso gut erkennen, wie bei anderen. Lassen Sie die Erkenntnis darüber zu, versetzen Sie sich in die Lage, die eigene Kraft und Energie in Gruppen zu stecken, mit denen Sie Sinnhaftigkeit teilen. Dadurch entsteht das, was gemeinhin unter dem Phänomen beschrieben wird: “Die Gruppe ist mehr als ihre Teile.” Nur in Gruppen, die eine Sinnkopplung teilen, wird dieser Zustand eintreten. Alle anderen sind maximal die Summe ihrer Einzelteile, tendenziell sogar weniger.




Sinn-Kopplung


… ist der Moment, in dem die betreffende Person jemanden oder etwas wahrnimmt und plötzlich einen gemeinsamen Sinn findet. Aufgrund der Kopplung ändern sich Gewohnheiten und Handlungsweisen. Auch ändern sich die Gründe, warum und wozu die Person etwas tut. Dieser Wandel geht auf den konkreten Moment der Sinnkopplung zurück. Sinnkopplung ist instabil. Niemand kann vorhersagen, wie lange ihr Effekt anhalten wird. So gibt manch einzelner Moment der Sinnkopplung Energie für ein ganzes Leben, während es ein anderes Mal nur für fünf Minuten reicht. In beiden Fällen macht Sinnkopplung den Mensch mehr als nur euphorisch, motiviert tiefer als affektive Anreize. Solange die Kopplung der ständigen Sinnprüfung standhält, leiden wir für diese Überzeugung, gehen gegen Widerstände an und feiern ausgelassen die Erfolge. Sinnkopplung macht antifragil. Sie nähert den Menschen, der sie erreicht, seiner persönlichen Sinnerfüllung und damit seiner Zufriedenheit.





Sinnkopplung

Bedeutung in der Wirtschaft


Der GALLUP Engagement Index 2012 für Deutschland des Marktforschungsinstituts Gallup ergab, dass 61 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland lediglich “Dienst nach Vorschrift” schieben (sie sind größtenteils nicht sinngekoppelt). Gerade einmal 15 Prozent arbeiten mit Freude in ihrem Beruf (sie sind sinngekoppelt). 24 Prozent sind sogar so unzufrieden am Arbeitsplatz, dass sie gegen ihren Arbeitgeber tätig werden (sie sind sinn-entkoppelt). Der deutschen Wirtschaft entsteht dadurch ein Schaden in Höhe von 112 bis 138 Milliarden Euro jährlich. Quelle: Engagement Gallup External Link, Stand 06.03.2013 Gallup konnte in seiner Studie zeigen, dass sich die Produktivität von Unternehmen durch entsprechende Maßnahmen zur Steigerung der (emotionalen) Mitarbeiterbindung nachweisbar und erheblich verbessern lässt. Mit Sinn zu arbeiten ist in den Lebens- und Arbeitswelten also mit hoher Wahrscheinlichkeit ein entscheidender Erfolgsfaktor für Unternehmen. Führungsmodelle, die dem Rechnung tragen, setzen verstärkt auf Mitbestimmung, auf Selbstbestimmtheit und Zusammenarbeit. Das steht häufig in direktem Widerspruch dazu, wie sie Arbeit grundsätzlich über formal hierarchische Anweissysteme organisieren. In einer veränderten Wirtschaftswelt, die auf Kooperation basiert und mit zugewandter Empathie gelingen will, braucht es die Auseinandersetzung über die Bindungsgründe von Mitarbeitern in Unternehmen – die Auseinandersetzung mit Sinnkopplung. Wenn das Einkommen nicht mehr der zentrale Bindungsmechanismus sein soll, gilt es zu verstehen, welche Formen der Bindung für Wirtschaftsunternehmen (sei es in Projekten innerhalb eines Unternehmens oder auch unternehmensübergreifenden Projekten) funktionieren – und wie. Affekt-basierte Motivatoren (Gehaltserhöhungen, mehr Entscheidungsfreiräume, Bonusse etc.) sind unzuverlässig und kaum als krisenrobust zu bezeichnen. Zum einen, weil es in einer Krise notwendig sein kann, eben diese affekt-motivierenden Ressourcen einzuschränken. Zum anderen, weil affekt-motivierende Ressourcen einer Gewöhnung unterworfen sind und nach einer gewissen Zeit nicht mehr als Privileg sondern als gegeben angenommen werden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre motivierenden Eigenschaften verlieren. Anders bei der Sinnkopplung, ihr liegt eine kognitive Bewertung zugrunde, die im Abgleich mit der eigenen Persönlichkeit, den individuellen Motiven und Werten stattfindet. Fällt diese Bewertung positiv aus, kommt es zur Sinnkopplung. Aufgrund seines Charakters als Bewertung steigt bei einer Sinnkopplung – im Gegensatz zu einer Affektreaktion – die Wahrscheinlichkeit, auch in Krisen motiviert zu bleiben. Im Zuge der demografischen Entwicklung werden (gute) Mitarbeiter knapp. Unter zunehmend volatilen Marktbedingungen ist es im Wettbewerb um Mitarbeiter deshalb wirtschaftlich sinnvoll, den Mechanismus der Sinnkopplung zu beobachten und für das Unternehmen mit Bezug auf das Arbeitsengagement nutzbar zu machen.




Literatur


  • Heiler&Borck – Chef sein? Lieber was bewegen! – Eigenverlag (2018)
  • Sylvia Jumpertz – Management by Meaning – Wo ist das Wozu? (2015) – managerSeminare, Heft 208, Juli 2015, S. 72 – 78; hier geht’s zum Artikel-Podcast
  • Gebhard Borck – Affenmärchen – Arbeit frei von Lack und Leder (2011) – edition sinnvoll wirtschaften
  • Bernd Geropp – Ist die Katze aus dem Haus … so arbeiten Ihre Mitarbeiter eigenverantwortlich und selbständig (2013) – redline Verlag
  • Thomas Höge, Tatjana Schnell – Wirtschaftspsychologie 14. Jahrgang 2012 Heft 1 91 – 99 – Kein Arbeitsengagement ohne Sinnerfüllung
  • Niels Pfläging – Die 12 neuen Gesetze der Führung: Der Kodex: Warum Management verzichtbar ist – Campus
  • Schaufeil, W. B. Saalnova, M., González-Romá V. & Bakker, A. B. (2002). – The measurment of engagement and burnout: a two sample confirmatory factor Analytik apporach. Journal of Happiges Studies, 3, 71-92
  • Dr. Andreas Zeuch – Feel it! So viel Intuition verträgt ihr Unternehmen (2011) – Wiley




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